Landschaft/Natur, Urlaub/Reisen

Die wilden Färöer

„Ich hatte gedacht… was hälst du von den Färöern?“ So in etwa sprach mich eine meiner besten Freundinnen an. Wir hatten geplant, einen kleinen Urlaub zusammen zu verbringen, und das war also ihre Reiseidee. In Europa sollte es sein, damit wir nicht zu viel Reisezeit mitbringen müssen. Gerne Nordeuropa. Dabei hatte ich allerdings eher Schweden, Süd-Norwegen oder auch Irland gedacht, aber auf keinen Fall an die Färöer-Inseln. Allerdings steckte ich gerade in einer stressigen Prüfungsvorbereitungsphase und hatte schlicht keine Zeit und Energie für Urlaubsplanung und war froh, dass jemand anders das mal für mich mit übernahm. Aber neugierig war ich ja schon, und so willigte ich ein. Nach einem mehrtägigen Abstecher in Kopenhagen (vielleicht folgt hierzu auch noch ein Blogbeitrag) ging es also mit Scandinavian Airlines weiter Richtung Norden für ein Abenteuer am 62. nördlichen Breitengrad.

Gleich zu Beginn kann ich sagen: Wir wurden nicht enttäuscht. Natürlich war das Wetter typisch „färöisch“. An 3 von 4 Tagen regnete es mal stärker und mal schwächer, wärmer als 12°C wurde es nie, es hing oft viel Nebel in der Luft. Aber darauf hatten wir uns eingestellt und viele Lagen (wasserdichter) Kleidung eingepackt. Trotzdem kann ich nur betonen, dass ich nach den 4 Tagen nicht allzu traurig war, als es wieder gen Süden und in die Sonne ging. So ein Wetter im November ist ja in Ordnung, aber sobald ich mir vor Augen hielt, dass es Ende Juni/Anfang Juli war, wurde es dann doch schwer, die nassklamme Kleidung zu ignorieren. 😉 Missen möchte ich die Erfahrung jedoch auf keinen Fall, die Landschaften sind atemberaubend.

Gleich am ersten Tag statteten wir dem Mulafossur-Wasserfall in Gasaladur auf der Insel Vagar einen Besuch ab. Es handelt sich um einen der bekanntesten Sightseeing-Spots auf den Fäeröern und trotzdem mussten wir uns den Platz nur mit zwei anderen fotowütigen Touristen teilen. Auch am letzten Tag sind wir noch einmal hingefahren und waren bis auf zwei andere Besucher alleine. Von „überlaufen“ kann auf den Färöern also (noch) keine Rede sein. Allerdings erlebt der Tourismus auf den Färöern offenbar einen Aufschwung und laut unserem Vermieter könnte es in 2-5 Jahren deutlich mehr werden. Wer also einsame Landschaften noch erleben möchte, sollte sich beeilen.

Die Färöer-Inseln erkundet man generell am besten mit dem Auto. Nach jeder Kurve bieten sich einem neue Landschaften und mehr als einmal ist uns die Kinnlade runtergfallen vor Staunen. Da die Inseln noch relativ unbevölkert sind, ist es auch kein Problem, am Straßenrand stehen zu bleiben, um ein paar Bilder zu schießen. Ständifg sieht man Schafe, und oft auch Islandpferde am Straßenrand.

Am zweiten Tag haben wir eine Wanderung vom Örtchen Sorvagur zur einer ins Meer hinausragender Spitze der Insel Vagar gemacht. Von hier blickt man auf zwei vor der Insel Tindholmur aus dem Meer hinausragende Felsformationen, die den gemeinsamen Namen Drangarnir tragen. Die Wanderung darf aufgrund des aufkommenden Tourismus nur mit einem Guide durchgeführt werden, weil in den letzten Jahren rücksichtslose Wanderer die Nester von brütenden Vögeln berührt (und damit bewirkt haben, dass die Eier von der Mutter verstoßen werden) oder tragende Schafe derart gestresst haben, dass es zu Fehlgeburten kam. Die Regierung hat deswegen die Maßnahme ergriffen, dass einige Wanderpfade nur mit einem Guide betreten werden dürfen, der die Touristen auf sicheren Pfaden entlang der Klippen begleitet. In unserem Fall erwies sich das sogar als Glücksgriff, denn für die Hinwanderung hatten wir schon gut 4 Stunden gebraucht. Das beinhaltete zwar einige Stopps für Fotos und um die Sicht auf sich wirken zu lassen, allerdings kommt man auf den schmalen, unbefestigten Pfaden auch nicht schnell voran und muss sich bei jedem Schritt konzentrieren, wo man den Fuß hinsetzt, wenn man nicht riskieren möchte, auszurutschen. Als sich dann langsam der Rückweg ankündigte, kam ein immer stärker werdender Wind auf, der die Wanderung an den Klippen einfach gefährlich gestaltet hätte. Der Guide ließ uns also mit einem Boot abholen, und so wurde uns noch die exklusive Sicht auf Drangarnir vom Meer aus geboten.

Am nächsten Tag waren wir von der Wanderung und den Adrenalinschüben am Vortag recht erschöpft und eine aus unserem 3er-Team hatte sich erkältet, so dass wir beschlossen, einige weitere bekanntere Sightseeing-Spots mit dem Auto abzuklappern. Wir suchten (und fanden nach einiger Zeit auch) die Geodome-Häuser in Kvivik, fotografierten den Fossa-Wasserfall (den größten auf den Färöern) und spazierten am Strand von Tjornuvik auf der Insel Streymoy mit Blick auf die Felsformationen Risin und Kellingin. Hierbei handelt es sich der Legende nach um einen versteinerten Riesen und eine Hexe, die bei dem Versuch, die Färöer-Inseln an Island heranzuziehen, so in ihre Arbeit versunken waren, dass sie das aufkommende Tageslicht nicht bemerkten und deswegen versteinerten.

Auf dem Rückweg hielten wir in der Hauptstadt Torshavn auf der Insel Streymoy und gönnten uns ein warmes Abendessen. Die Färöer sind übrigens ausgesprochen nett und hilfsbereit zu Touristen und sprechen hervorragend Englisch. Auf dem Rückweg von Toshavn wieder auf „unsere“ Insel Vagar mussten wir einige Male stehen bleiben, weil eine von uns 3 etwas gesichtet hatte, was sie fotografisch festhalten wollte. U.a. wurden wir von einem Regenbogen überrascht.

Am Abend statteten wir dann Mulafossur einen erneuten Besuch ab, und es war nicht weniger beeindruckend als beim ersten Mal. Am nächsten Nachmittag ging der Flieger zurück nach Kopenhagen. Trotzdem wollten wir den Morgen noch nutzen, und eine weitere kleine Wanderung auf der Insel Vagar unternehmen. Der Plan war, zu einem Aussichtspunkt zu wandern, von wo man den größten Binnensee der Färöer, den Sørvágsvatn, über das Meer hinausragen sehen kann. Wir stiefelten also los und hofften, dass sich die Nebelsuppe auflösen würde. Oft genug hatten wir es jetzt schon erlebt, dass sich das Wetter auf den Inseln schnell ändert und vor allem Nebel sehr schnell aufziehen, aber auch wieder verschwinden kann. Leider war die Suppe dieses Mal hartnäckig und wir erreichten zwar den Aussichtspunkt, konnten die Sicht aber leider nur erahnen.

Als Fazit aus ein paar Tagen Färöer bleibt mir zu sagen, dass die Inseln rau, wild und noch relativ ursprünglich sind. Die Färöer sind ausgesprochen nett und hilfsbereit. Das Klima ist meist nasskalt und grau, aber es passt zu der Landschaft und ermöglicht das ganz spezielle Licht, das man auf den Färöern entdecken kann. Außerdem gäbe es sicherlich noch viel mehr zu entdecken, wie bspw. das Dörfchen Saksun oder die Insel Mykines, die als Brutstätte u.a. für Papageientaucher dient. Juni ist sogar die Brutzeit dieser niedlichen Geschöpfe, allerdings waren zu unserem Reisezeitpunk schon alle Fähren ausgebucht (der Nachteil bei spontaner Reiseplanung). Es bleibt zu erwähnen, dass es für mich persönlich war es kein erholsamer Urlaub war, weil mir das Schlafen extrem schwerfällt, wenn es abends um 23 Uhr nicht dunkel und morgens um halb 4 schon wieder hell draußen ist, auch wenn Vorhänge das Zimmer etwas abdunkeln. Aber ich bin extrem froh, die Erfahrung gemacht zu haben und solch einzigartigen Landschaften entdeckt zu haben. Vor allem die Unberührtheit und die extremen Naturkräfte, vor allem Wind und Wasser, bleiben mir in deutlicher Erinnerung.

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