Urlaub/Reisen

Ein bisschen Italia schadet nie!

Schon seit ich denken kann, ist unsere Familie im Sommer immer für ein paar Wochen nach Südfrankreich oder Italien, der Sonne entgegen gefahren. So auch dieses Jahr. Nicht zum ersten Mal hat es uns an den Gardasee verschlagen.

Und obwohl ich Italien schon lange und gut kenne und schon viele Gegenden besucht habe, bin ich immer wieder erstaunt, wie gut mir ein paar Tage dolce vita immer wieder tun. Vor allem die kleinen Dörfchen mit den engen verwinkelten Gassen begeistern mich auch nach Jahren immer wieder. Aber gut, es geht ja vielen so. Italien bietet also immer wieder Motive und Inspiration. Trotzdem ist es alles andere als einfach, Postkarten-würdige Bilder zu schießen. Denn leider hat es sich ja herumgesprochen: in Italien ist es schön, die Sonne scheint, die Menschen sind (größtenteils) freundlich und entspannt, das Essen ist sehr lecker, die Dörfchen malerisch. Das wollen neben uns natürlich auch Tausende andere Touristen mit dem eigenen Auge begutachten und die Atmosphäre dort genießen, weshalb die Gässchen und öffentlichen Plätze oftmals voll mit Touristen sind und ein hübsches Foto schießen zur wahren Herausforderung wird.

Allerdings möchte ich das nicht beklagen, für die Einheimischen ist es sicher gut, denn sie müssen ihr Jahreseinkommen zum großen Teil in den paar Sommermonaten erwirtschaften und da sollen die Touris ruhig in Scharen anreisen. Mir hat noch kein Tourist die tolle Ledertasche oder ein neues Paar Schuhe zum unschlagbar günstigen Preis streitig gemacht, es ist für alle genug da. Bei den Preisen für hochwertige Lederwaren mutiere selbst ich zu einer kaufwütigen Geldverbrennerin. Aber man gönnt sich ja sonst nur selten so hochwertige Ware, oftmals eben aufgrund des Preises. Aber ich schweife ab.

Zurück zu Italien und den Italienern und ihren bezaubernden kleinen Dörfchen. Besonders Malcesine am Gardasee ist mir in Erinnerung geblieben, weil ich von dort eine nette Anekdote erzählen kann.

G83_5059retouche
Malcesine, Lago di Garda

Als wir durch die Gassen stromerten, auf der Suche nach einem netten Restaurant, sahen wir plötzlich eine kleine Menschentraube. Beim Näherkommen konnten wir dann auch den Grund für die Aufregung erkennen. Ein sichtlich nervöser junger Bräutigem versuchte mehrmals vergebens, das oben auf dem Bild abgebildete rote und festlich geschmückte Auto zu starten, was ihm aber offensichtlich misslang. Man merkte richtig, wie die Leute Anteil nahmen und ihnen der junge Mann Leid tat. Dann fand sich ein älterer Herr, der als Helfer in der Not das Auto zu starten vermochte und dem jungen Mann sicherlich an dem vielleicht bis dato wichtigsten Tag seines Lebens eine große Last von den Schultern nahm. Unter Jubelrufen und Klatschen konnte der Bräutigam dann seiner eigenen Hochzeit entgegen fahren. Und mit dem Gardasee im Hintergrund sowie den engen Gassen als Kulisse gab das auf Hochglanz geputzte rote Auto natürlich auch ein super Motiv für mich ab – insbesondere, weil die Geschichte ein gutes Ende nahm und dieses Bild auch wirklich eine kleine Geschichte erzählt. Aber auch ohne diese Anekdote ist Malcesine (wie allerdings viele andere Orte rund um den Gardasee auch) einen Besuch wert.

Außerdem waren wir zwei Tage in Mailand. Meine Schwester hatte mir einen Citytrip zum Geburtstag geschenkt, und dieses Geschenk wurde nun eingelöst. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich nicht wüsste, was man im Hochsommer in Mailand tagelang unternehmen kann. Wie in den meisten Fällen, erkundeten wir einen Großteil per pedes, denn zu Fuß entdeckt man oftmals, dass viele Wege zum Ziel führen und ganz bewusst wählen wir dann auch Wege abseits der Hauptstraßen und Hauptouristenströme. Rund um den Dom war natürlich an beiden Tagen die Hölle los. Aber in den Nebenstraßen und sobald man sich ein paar Hundert Meter vom Dom entfernte, waren richtig viele Läden und kleine Cafés, die von außen gemütlich, hip oder einfach einladend und für unser Empfinden typisch milanese waren, geschlossen. Wir hatten genau die Zeit erwischt, in der die Mailänder selbst ferie machten und aus der Stadt flüchteten. Unsere zwei Tage waren dennoch gut gefüllt und definitiv die Reise wert. Neben den typischen Touristen-Must-Haves wie dem Dom, den Gallerie Vittorio Emmanuele und der Scala (die auf jeden Fall einen Besuch wert sind, das möchte ich erwähnt haben) sind wir wie schon gesagt sehr viel zu Fuß gelaufen, haben Nebenstraßen erkundet, das ein oder andere Schnäppchen gemacht und das Quartiere Navigli in unser Herz geschlossen. Hier war auch in der Ferienzeit abends viel los, es gab viele verschiedene Restaurants und niedliche kleine Shops abseits der großen Ketten.

Insgesamt war dieser Urlaub einfach sehr erholsam, wir haben wieder nicht an Pasta gespart (wir lieben sie einfach in allen Formen ;-)) und mittels Lesen, Schwimmen, niedlichen Dörfchen mit dem Fahrrad erkunden, ein bisschen einkaufen und das Großstadtflair in Mailand genießen, den für mich persönlich perfekten Sommerurlaub genossen. Ich würde es sofort wieder machen!

P.S.: Am Gardasee kann das Auto gut und gerne auf einem Parkplatz stehen bleiben. Die nächstgelegenen Dörfer/Städtchen sind nie mehr als ein paar Kilometer entfernt und an den Promenaden entlang des Sees kann man sehr gut Fahrrad fahren, wenn man auch ein wenig auf die Spaziergänger achten muss, was aber in meinen Augen selbstverständlich ist. Außerdem verkehren Fähren zwischen den Städten, was sich vielleicht anbietet, wenn man eine Stadt, die jetzt nicht direkt Nachbarort ist, erkunden möchte. Und für einen Kurz- oder Eintagestrip nach Mailand, Verona oder Venedig gibt es gute Zugverbindungen. Wer sich also das Verkehrschaos nicht antun möchte, kann es sehr gut vermeiden.